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Als weithin sichtbares
Wahrzeichen steht die Kirche von St. Ulrich markant auf einer Anhöhe über
dem Ennstal. Der Eindruck des gotischen Baukörpers wird vor allem durch das
großräumige Hauptschiff geprägt, welches von 1511-1518 erbaut, aber erst im
Jahre 1646 eingewölbt und gedeckt wurde. Die Anlage des nunmehr 3jochigen
Hauptschiffes dessen Gewölbe wahrscheinlich im 19. Jhdt. erneuert wurde,
geht auf die spätgotische Form der Hallenkirche zurück. Die heimischen
Baumeister folgten damit einer Bauidee, die in erster Linie der
Vereinheitlichung und Öffnung des Kirchenraumes dient. Gerade der Vergleich
zwischen dem im 15. Jhdt. erbautern Chorraum (Presbyterium) und dem
Hauptschifff von St. Ulrich zeigt deutlich, wie sehr sich an der Wende zur
Neuzeit die Sakralarchitektur einer lichtdurchfluteten Bauweise zuwandte.
Nach Angabe des Historikers Franz Xaver Pritz wurde das Presbyterium erst
1493 fertiggestellt und noch im selben Jahr durch Bischof Nikolaus Hypo von
Passau eingeweiht.
Es zählt zu den großen Leistungen der Bauherrn und Handwerker der Gotik,
dass sie die Anlagen ihrer Bauten oft für Generationen im voraus planten und
konzipierten. Nur so ist es erklärbar, dass vielerorts Teile von Kirchen
entstanden, die oft erst 50 oder 100 Jahre nach Baubeginn in meistens noch
größerer und prächtigerer Form vollendet wurden. Auch St. Ulrich dürfte
dabei keine Ausnahme gewesen sein.
In einer lange Zeit unverstandenen und erst heute wieder interessanten
Rückbesinnung auf alte Bautraditionen, wurden Ende des 19. Jhdts. sowohl bei
Sakral-, als auch bei Profanbauten neuerlich gotische Stilformen als
Gestaltungselemente aufgegriffen. In der Architekturgeschichte wird diese
Phase als Neo- oder Neugotk bezeichnet und dokumentiert. Nicht nur der
Kölner Dom erhielt in dieser Epoche seine zwei weltberühmten neugotischen
Türme, sondern auch die Kirche von Ulrich. Sie wurde 1868 mit einem weithin
sichtbaren Turm versehen, der den unscheinbaren Anbau an der Nordseite
ersetzte. Das Geläute bestand damals aus fünf Glocken, darunter eine sehr
große mit 750 kg.
Mit der vorangegangenen Erweiterung der Sakristei im Jahre 1840 wurde die
eigentliche Bautätigkeit an der Kirche von St. Ulrich Ende des 19. Jhdts.
abgeschlossen.
Als Resultat blieb eine überzeugende Verbindung von Spätgotik und Neugotik
erhalten, die heute als sichtbares Zeichen das architektonische Zentrum des
Ortes St. Ulrich bildet. |